Galerie Martin Kudlek
Schaafenstrasse 25
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Germany
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Last Nite

  • Niels Sievers

Jun 26 – Jul 25
Vernissage: Jun 26, 6:00 pm

Ich besuche Niels Sievers in seinem Atelier. Wir sind schon ein paar Jahre befreundet und ich verfolge seitdem seine Arbeit. Ich bin an diesem Tag im Mai überrascht, als ich in sein Atelier komme. Zwar scheint der Maler seiner Farbpalette treu zu bleiben, aber auf einmal tauchen menschliche Figuren in seinen Bildern auf. Es sind keine Portraits, sondern Augenblicke; Momente, in denen der Mensch vorkommt. Das Gefühl, dass nur ein flüchtiger Augenblick – oder ist es eine Erinnerung – festgehalten wird, erreicht der Maler dadurch, dass die Bilder schemenhaft, teilweise ohne klare Konturen gemalt wurden. Die Farben sind zudem zurückhaltend eingesetzt, sie erinnern mich an alte Schwarz/Weiss Fotografien oder verblasste Polaroids. Dadurch erreicht er, dass die Bilder nicht nur einen Augenblick oder eine Szene festhalten, sondern man weiss sofort: diese Szenen sind vergänglich, schnelllebig. Sievers erkennt die Schönheit dieser Augenblicke und malt sie strahlend: Die Figuren auf seinen Bildern wirken durch die reflektierende Lackfarbe wie erleuchtet. Sie heben sich von ihrer gedeckten, mit Ölfarbe gemalten Umgebung ab und scheinen auf der Bildfläche zu schweben.
Ich sehe Szenen aus dem Nachtleben: Partys, bei denen die grell leuchtende Discokugel wie ein Mond am Himmel steht. Unter der Discokugel erkenne ich schemenhaft Figuren, der Maler setzt dazu mit dünnem Farbauftrag einzelne kleine Flächen. Vielleicht sind es die Kleidungsstücke der Nachtschwärmer? Die Fragmente setzen sich zu einer abstrakten Malerei zusammen.
Durch die Abstraktion gelingt es Niels Sievers, das Gefühl der Nachtschwärmer einzufangen: Rauschhafte Nächte, in denen alles ineinanderfließt.
Ich erkenne weibliche Akte, Barszenen, in denen Niels Sievers den Moment der Verführung festhält. Und mir wird klar: Sievers malt das Ungewisse, das Spielerische einer Begegnung oder einer Nacht, von der man nicht weiss, wie sie ausgeht.

Clara Mancini